Sommerakademie 2016 des EUROPÄISCHEN THEATERINSTITUTS Berlin

 

Termin: 24. – 28. Juli 2016
Tägliches Programm: 10.00 – 13.00 Stückanalyse und szenische Arbeit, 14.00 – 17.00 Körperentwicklung in der Rolle
Gebühr: 450,- €
Anmeldung bis 18. Juni 2016: telefonisch unter 030 / 2785301, per eMail unter mail@eti-berlin.de
Ort: Europäisches Theaterinstitut – ETI-Berlin, Rungestr. 20, 10179 Berlin-Mitte, U-/S- Bahnhof Jannowitzbrücke

 

Durch die Teilnahme an der Sommerakademie werden Sie die Gelegenheit haben, Erfahrungen mit einigen weltweit hervorragenden Theaterleuten zu machen. Sie werden sich mit anderen Theatermethoden konfrontieren und Ihren Blick auf unsere Kunst erweitern, Theater nicht nur als Resultat, sondern als einen fließenden Prozess sehen. Die Teilnehmer werden behutsam in eine innere Methodik verantwortungsvollen Übens eingeführt. Es geht um einen Einübungsprozess zur künstlerischen Selbsterziehung. Dabei steht die künstlerische Unabhängigkeit und Eigenständigkeit des Schauspielers (man nennt ihn Autor der Rolle) im Vordergrund. Ziel ist, emanzipierte Künstler für das Theater auszubilden.

Die vielen großen Traditionen der Schauspielkunst in der Welt richten sich letztendlich immer auf ein Ziel von zwei miteinander verknüpften Elementen: die Entwicklung der Vorstellungskraft und die innere Wahrheit des Schauspielers. Und so muss der Schauspieler sowohl seine Vorstellungskraft als auch seine Körpersprache kräftigen, er muss lernen, jenseits des Wortes und der Sprache Sinn und Ausdruck zu erzeugen und immer wieder einen neuen Bezug zwischen Emotion und allen Elementen des Spiels zu finden. Form, Bewegung, Gesang, allgemeinen und inneren Rhythmus, Regungslosigkeit und Stille.

Der Schauspieler soll offen und neugierig sein für die vielen Spielkulturen und damit verbundenen Theatersprachen der Welt. Die Schauspielkunst von morgen wird synthetisch und synkretistisch sein.

Die Geschichte der Schauspielkunst ist eine Geschichte fortwährender Synthesen. Immer wieder haben sich bedeutende Theatermacher mit großem Erfolg aus anderen Theaterkulturen bedient. Beispiele sind: Molière, Stanislawski, Brecht, M. Tschechow, Lee Strasberg, Stella Adler, Grotowski, Stein, Brook, Zadek, Mnouchkine, Ostermeier und andere. Auch heute gibt es hervorragende Meister in der Welt, die “anders” arbeiten, von denen man aber viel lernen kann und muss.

Zum ersten Kurs im Juli 2016 laden wir Professor Oleg L. Kudryashov ein.

Er ist Professor am Lehrstuhl für Regie am GITIS, Doktor der Kunstwissenschaften, Verdienter Künstler der Russischen Förderation, Träger des Stanislawski Preises. Arbeitete an mehreren Theatern Russlands, gründete das Gesangstheater “Dritte Richtung”. Mit dem musikalischen Schauspiel “Die Wanze” (nach Majakowski) war er in vielen Ländern Europas erfolgreich, leitete internationale Seminare in vielen Ländern und ist Autor zahlreicher Publikationen zur Problematik der Schauspielausbildung.

“Wir widmen viel Zeit dem Anfang der Ausbildung – dem Training, wobei wir ständig die Richtung wechseln, indem wir eine immer größere Anzahl von Spielelementen einführen. Die Schule ist ein konservativer Organismus. Und dies ist ihre Haupteigenschaft. Sie soll an der lebendigen kulturellen Tradition festhalten. Und gleichzeitig sollte sie auf die neuen Formen der zeitgenössischen Kunst achtgeben. Ein Gleichgewicht zwischen den Grundlagen, den Traditionen und der lebendigen, fließenden, beweglichen modernen Wirklichkeit zu finden, ist nicht immer einfach. Aber dies sollte getan werden, denn mit jeder neuen Generation kommen neue Ideen, neue Bilder und neue Ansichten, Und das Theater von heute braucht sowohl Regisseure, als auch Schauspieler der neuen Formation (Prägung), die beweglich, unerwartet, scharfsinnig und mit vielen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgestattet sind. Aber wichtig ist bei all den Innovationen und der Verformung, dass auf der Bühne eine lebendige Person präsent ist, in welche ausgeklügelte Form auch immer ihre Arbeit gehüllt sein mag.” – Oleg L. Kudryashov